Guerilliakämpfe gegen die Diktatur in Guatemala

Eine reiche Oberschicht ist im Besitz von Land und Produktionsmitteln. Die arme Landbevölkerung lehnte sich gegen die Regierung auf, stürzte 1944 den Diktator. Verschiedene Guerillabewegungen kämpften gegen die Führungsschicht. 1996 kam es zu einem Friedensvertrag, der wenigstens offiziell den Konflikt beendete, dennoch ist das Land noch nicht zur Ruhe gekommen.

Beginn - Ursachen - Konfliktparteien - Verlauf - Folgen - Lösungsansätze - Quellen

Beginn und Ende:

Der Bürgerkrieg begann 1960. Wir betrachten den Konflikt als beendet mit dem Friedensvertrag von 1996.


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Ursachen:

Über ein Jahrhundert lang wurde Guatemala von diktatorischen Regimes beherrscht, die eine Umverteilung des Kirchen-, Staats- und Gemeindelandes zugunsten weniger Großgrundbesitzer vornahmen und den Einfluß von ausländischem Kapital zuließen. Die ihres Landbesitzes beraubten Indios wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Die Indios stellen zwar zwei Drittel der Bevölkerung, sind aber weder kulturell oder sozial, noch politisch integriert. Drei Viertel der Bevölkerung leben unter dem Existenzminimum, 60 Prozent sind Analphabeten.

1944 kam es nach dem Sturz des Diktators Jorge Ubicos zu einer Reformperiode, die der armen Landbevölkerung Vorteile verschaffte, aber von der katholischen Kirche, der Oberschicht, dem Militär und den ausländischen Investoren nicht begrüßt wurde.

1954 wurde der gewählte Präsident Jacobo Arbenz Guzmán, der Landreformen geplant hatte, durch einen Militärputsch mit Unterstützung der CIA abgesetzt.


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Konfliktparteien:

In Guatemala gibt es verschiedene linke und rechte Guerillabewegungen:


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Verlauf:

18. Juni 1954 Der Reformpräsident Jacobo Arbenz Guzmán wird vom Exilpolitiker und ehemaligen Oberst Carlos Castillo Armas gestürzt.
Juli 1954 Castillo macht Reformen rückgängig, verbietet Parteien und Gewerkschaften
1960 Offiziersaufstand scheitert. Erste Guerillakämpfe gegen das Regime
Herbst 1966 Antiguerilla-Einheiten unter Oberst Osorio bekämpfen die Guerillas
1968 Guerillas sind fast vollständig vernichtet
August 1968 Entführung und Ermordung des US-Botschafters Mein durch Guerillas
Januar 1970 Osorio wird bei einer Wahlbeteiligung von 10 Prozent zum Präsidenten gewählt
April 1970 Ermordung des deutschen Botschafters Spreti durch Guerillas
seit 1972 Verschärfung der sozialen Spannungen und die steigende Unterdrückung der Regierung gegenüber den Indios. Diese Probleme stärken die militärische Kampfkraft der Guerillas, da diese nun wieder akzeptiert und unterstützt werden. Diese Stärkung der Kampfkraft der Guerillabewegungen, veranlaßt die Regierung zu noch härteren Maßnahmen gegen die Guerillas und gegen die Bevölkerung, die den Rebellen Unterschlupf bietet.
23. März 1982 Putsch des Generals Efrain Rios Montt; er wird neuer Staatspräsident Ausrufung der Belagerungszustandes, d.h. das Militär hat ein fast uneingeschränktes Gewaltmonopol; Rios Montt geht brutal gegenüber Kleinbauern und Indios vor
August 1983 Rios Montt wird von der Militärführung abgesetzt; neuer Präsident wird Mejia Vicotres
1985 Das Militär verkündet für alle unter ihrer Herrschaft geschehenen Menschenrechtsverletzungen Generalamnestie.
November 1985 Wahlen; neuer Präsident wird Vinicio Cerezo Arévalo
August 1987 Friedensplan für Zentralamerika, der zur Beilegung der Konflikte in diesen Ländern führen sollte
August 1988 Versöhnungsgespräche zwischen Guerillas und Regierung
Mai 1989 Putsch rechter Militärs an der Regierung
Januar 1991 Präsidentschaftswahlen; neuer Präsident wird der konservative Protestant Jorge Serrano Elias
1991 Serrano lehnt amerikanische Militärhilfe ab, um die Verhandlungen nicht zu gefährden und den Bürgerkrieg zu beenden
Mai 1991 Verhandlungen zwischen der Regierung und der URNG
Januar 1993 Die Guerillabewegung URNG und die Regierung nehmen die unterbrochenen Friedensgespräche wieder auf.
Mai 1993 Serrano löst das Parlament auf und setzt die Verfassung teilweise außer Kraft.
Juni 1993 Serrano muß auf Druck der Armee zurücktreten.
6. Juni 1993 Der bisherige Menschenrechtsbeauftragte Ramiro de León Carpio wird neuer Staatspräsident. Er verspricht soziale Reformen und eine Beteiligung der Indios an der Regierung.
30. Januar 1994 68 Prozent der Wähler stimmen einer Verfassungreform zu, die unter anderem eine Verkürzung der Amtszeit des Präsidenten und des Parlaments und eine Reduzierung der Abgeordnetenzahl im Parlament enthält.
Februar 1994 Die Guerillabewegung URNG und die Regierung nehmen die im Mai 1993 unterbrochenen Friedensgespräche wieder auf.
Juni 1994 Verhandlungen in Oslo, die durch die Vermittlung der UNO zustande gekommen sind: Es wird eine dreiköpfige "Wahrheitskommission" gebildet und ein Flüchtlingsabkommen über die Rückführung der Vertriebenen unterzeichnet.
14. August 1994 Parlamentswahlen; die FRG gewinnt die Wahl.
November 1994 Eine UNO-Kommission überwacht für 6 Monate die Einhaltung der Menschenrechte
März 1995 Unterzeichnung eines Abkommens zwischen den Konfliktparteien
14. Januar 1996 Präsidentschaftswahlen: Alvaro Arzu wird neuer Staatspräsident
29. Dezember 1996 Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen Präsident Arzu und den Führern der URNG.
5. Januar 2001 Die seit Jahren schwelenden Grenzstreitigkeiten zwischen Guatemala und Belize sind neu entflammt. Falls Belize sein Vorhaben wahr macht, die guatemaltekischen Bauern aus dem gemeinsamen Grenzgebiet zu vertreiben, entsendet die guatemaltekische Regierung Truppen. 

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Folgen und Auswirkungen:

Der Konflikt wirkte sich national aus.


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Lösungsansätze:

Seit 1987 gab es mehrere Friedensverhandlungen, Friedenspläne und Versöhnungsgespräche zwischen den Guerillas und den verschiedenen Regierungen. Die meisten Gespräche scheiterten jedoch nach kurzer Zeit.

Im Juni 1994 erklärte sich die Regierungsdelegation in Oslo bereit eine "Wahrheitskommission" zu bilden, die die Einhaltung von Menschenrechten und die Rückführung von Flüchtlingen überwachen soll.

Erst die Unterzeichnung der Friedensvertrages im Dezember 1996 wird als Lösung zur Beendigung des Konflikts gewertet. Der Vertrag enthält ein Teilabkommen über die rechtliche Besserstellung der Indios, wirtschaftliche und soziale Reformen und eine Unterstützung der Bauern durch öffentliche Investitionen, staatliche Agrarfonds und einen besseren Rechtsschutz. Truppenstärke und Rüstungsvorhaben werden um ein Drittel gekürzt. Damit erfüllte die Regierung die Bedingungen der Rebellen für die Einstellung des 30jährigen bewaffneten Kampfes.

Politisch hat der Friedensprozess schon große Fortschritte gemacht. Die Presse ist freier, die Linken und die Indios werden politisch mit einbezogen.

Nach der Ermordung von Guillermo Ovalle, dem Menschenrechtsaktivisten, leitet nun der deutsche Tom Koenigs die Mission den Friedensvertrag von 1996 zu überwachen. Das Land kommt dennoch nicht zur Ruhe, im Zeitraum zwischen Juli 2001 und Juni 2002 wurden 1075 Menschenrechtsverletzungen verzeichnet. In dem Bericht sind 38 Mordanschläge von staatlicher Seite verzeichnet. Außerdem häufen sich Misshandlungen durch die Polizei und Verstöße gegen die Versammlungsfreiheit. Anwälte schätzen, dass in Guatemala jedoch zur Zeit nur fünf Prozent der Verbrechen geahndet werden. Die UN-Mission soll noch bis Ende 2003 in Guatemala bleiben, doch Menschenrechtler, Indianergruppen und Parteien bitten um eine Verlängerung bis 2004. 


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Quellen:

Lateinamerika Ploetz, Geschichte, Probleme, Perspektiven. Freiburg 1978

BHE, Band 9, Mannheim 1989

Deutsche Presse Agentur: Hohenloher Tagblatt, 27. und 30. Dezember 1996

Dingemann, Rüdiger: Krisenherde der Welt. Konflikte und Kriege seit 1945. (Westermann Lexikon).

Fischer: Weltalmanach `94, `95 und `96.

Haller Tagblatt 2004-03-24, 2006-12-27, 2015-10-27

Harenberg: Lexikon der Gegenwart Aktuell `92 und `97. Dortmund

IAP 11/96

Frühere Internetquellen:
http://www.koeln-online.de/ai/de/j_latein.htm#Guatemal
http://www.koeln-online.de/ai/de/j_guatem.html">http://www.koeln-online.de/ai/de/j_guatem.html
http://www.koeln-online.de/ai/berichte/amr34/anliegen.html">http://www.koeln-online.de/ai/berichte/amr34/anliegen.html



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