Konflikt zwischen Albanern und Serben im Kosovo

Der Krieg der NATO gegen Jugoslawien vom 24. März bis zum 10. Juni 1999

24. März  20:00 Uhr: Beginn der Luftangriffe der NATO auf militärische Ziele im Kosovo und in der Nähe von Belgrad. Im Sicherheitsrat lösten die Luftangriffe einen heftigen Schlagabtausch zwischen Russland und den USA aus.
27. März 
 
Da Milosevic weiterhin keine Anstalten zum Einlenken machte, wurden die Luftangriffe auf jugoslawische Bodentruppen im Kosovo fortgesetzt. In den Folgetagen begann in Kosovo eine "Säuberungsaktion", die Vermutungen zufolge schon längere Zeit vorher geplant worden war: Die Kosovo-Albaner wurden vom serbischen Militär aus ihren Häusern vertrieben und flüchteten nach Albanien und Mazedonien. 
30. März Eine Vermittlungsmission des russischen Ministerpräsidenten Jewgeni Primakow scheiterte.
31. März Drei amerikanische Soldaten gerieten an der mazedonischen Grenze in serbische Kriegsgefangenschaft und wurden im Fernsehen "vorgeführt".
1. April  Verschiedene Nachrichtenagenturen meldeten, der jugoslawische Präsident Milsevic habe sich mit dem Führer der Kosovo-Albaner, Rugova, getroffen. Rugovas Albanerpartei LDK sprach von einer "Inszenierung", die unter Druck zustande gekommen war.
3. April Zehntausende Flüchtlinge saßen im Grenzgebiet zwischen Mazedonien und Jugoslawien fest. Mazedonien kündigte an, keine weiteren Flüchtlinge ins Land zu lassen.
6. April Milosevic kündigte für die orthodoxen Ostertage einen Waffenstillstand im Kosovo an, ohne allerdings anzudeuten, dass er die weiteren NATO-Forderungen erfüllen werde. Daher wurden die NATO-Angriffe unvermindert fortgesetzt. Zeitgleich fanden weiter große Flüchtlingsbewegungen statt. Aus dem Kosovo sickerten Informationen über schreckliche Greueltaten und Vertreibungen der Albaner durch.
12. April Auf einem Treffen in Brüssel bemühten sich die Außenminister der NATO um eine stärkere Einbindung Russlands zur Bewältigung der Krise.
13. April Die US-Außenministerin Madleine Albright kam in Oslo mit ihrem russischem Kollegen Igor Iwanow zusammen.
15. April Der Krieg weitete sich aus: Serbische Truppen überfielen einen Grenzposten Albaniens. Mehrere hundert Albaner mussten fliehen. Daneben bemühte sich die NATO nun wieder unter Einbeziehung Russlands um eine politische Lösung.
17. April Bei der Sondersitzung des deutschen Bundestags zum Kosovo bekundeten alle Regierungfraktionen außer der PDS ihre Unterstützung für das Vorgehen der NATO.
22. April UN-Generalsekretär Annan sagte seine diplomatische Hilfe zu. Seine Vorschläge zur Friedensschaffung lehnte Jugoslawien aber ab.
26. April Bei den NATO-Angriffen wurde die Residenz des Präsidenten Milosevic getroffen, außerdem auch ein staatlicher Fernsehsender.
1. Mai Der jugoslawische Vize-Regierungschef Vuk Draskovic forderte Milosevic auf, das Volk nicht länger zu belügen. Zwei Tage später wurde er aus seinem Amt entlassen.
1. Mai Bei den traditionellen 1.-Mai-Demonstrationen gehen zehntausende Menschen auf die Straßen um gegen den Krieg zu demonstrieren.
6. Mai Die drei amerikanischen Soldaten wurden aus der jugoslawischen Gefangenschaft freigelassen. Sie verließen Jugoslawien in Begleitung des amerikanischen Bürgerrechtlers Jasse Jackson.
8. Mai Vertreter der G-8-Staaten trafen sich in Bonn und erklärten, dass eine interne "Sicherheitspräsenz" im Kosovo angestrebt werde.
12. Mai Bei heftigen Angriffen auf Belgrad wurde auch die chinesische Botschaft getroffen, wobei vier Menschen ums Leben kamen. Darauf folgten in vielen chinesischen Städten Demonstrationen gegen den NATO-Angriff auf ihre Botschaft.
13. Mai Bundeskanzler Schröder entschuldigte sich bei seinem Besuch in Peking für den irrtümlichen NATO-Angriff auf die chinesische Botschaft.
14. Mai Bündnis 90/Die Grünen berieten auf einem Sonderparteitag über ihre Haltung zum Kosovo-Konflikt. Nach hitziger Debatte stellten sich die Delegierten im wesentlichen hinter die Kosovo-Politik von Bundesaußenminister Fischer.
17. Mai Bei einem NATO-Luftangriff auf das Dorf Korisa im Kosovo sind nach serbischen Angaben mindestens 84 Zivilisten ums Leben gekommen. Am Tag darauf räumte die NATO den Angriff ein und äußerte den Verdacht, die Flüchtlinge seien als menschliche Schutzschilde missbraucht worden.
18. Mai In Helsinki hat Bundeskanzler Schröder internationale Beratungen über eine politische Lösung der Krise aufgenommen.

Der finnische Präsident Ahtisaari traft sich auch mit dem russischen Sondergesandten Tschernomyrdin und dem amerikanischen Vize-Außenminister Talbott.

19. Mai Die Suche nach einer politischen Lösung ging weiter: in Bonn treffen sich dazu G-8-Vertreter - aber ohne Fortschritt. Immer wieder wurde die Frage nach einem Einsatz von Bodentruppen, den die deutsche Regierung nach wie vor ablehnte, diskutiert.
20. Mai Nach erneuten Verhandlungen des russischen Sonderbeauftragte Tschernomyrdin mit Milosevic in Belgrad akzeptierte dieser offenbar den Friedensplan der G-8-Staaten als Grundlage für die Verhandlungen um eine Beilegung des Kosovo-Krise. Ziel des Friedensplans war ein "friedliches multi-ethisches und demokratisches Kosovo".
Die NATO stellte die Beendigung der Luftangriffe in Aussicht:
- wenn die Gewalt beendet ist,
- sämtliche Truppen abgezogen sind,
- Milosevic einer internationalen Friedenstruppe zustimmt,
- die Rückkehr der Flüchtlinge garantiert ist,
- die Regierung zu Verhandlungen über den Status des Kosovo bereit ist.
24. Mai Die NATO plante aber keinen Angriffsstopp, solange die fünf Bedingungen von Belgrad nicht angenommen wurden. Im Gegenteil: nach schweren Luftangriffen auf Kraftwerke gab es in vielen Teilen Serbiens Stromausfall.
27. Mai Milosevic und vier serbische Politiker wurden vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für ihre Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt.
28. Mai Auf die russische Vermittlungsergebnisse, wonach Jugoslawien die G-8-Forderungen akzeptiert, reagierte der Westen mit großer Zurückhaltung und Vorsicht. Die UN-Flüchltlingskommisarin äußerte sich dazu positiv.
31. Mai Die jugoslawische Führung bekräftigte ihre Zustimmung zum G-8-Friedensplan.
3. Juni Der jugoslawische Präsident Milosevic akzeptierte den Friedensplan, dem auch die Untergrundarmee UCK zustimmt.
5. Juni Nach dem Einlenken Belgrads begannen im mazedonischen Grenzort Blace die Gespräche zwischen Vertretern der NATO und der jugolawischen Armee. Es wurden die genauen Modalitäten des Abzugs der jugoslawischen Armee besprochen. Am folgenden Tag wurde der Rückzugsplan Jugoslawien zur Unterschrift vorgelegt. Währenddessen dauerten die Luftangriffe an und sollten so lange forgeführt werden, bis ein Rückzug der jugoslawischen Armee deutlich sichtbar ist.
10. Juni Die NATO beendete offiziell ihre Luftangriffe gegen Jugoslawien. Dies und der Beschluss des Weltsicherheitsrates für die Schaffung einer Kosovo-Friedenstruppe lösten eine weltweite Erleichterung aus.

Bilanz des Krieges:

Vertreibung und Flucht:

Schon vor Beginn der Luftangriffe wurde eine unbekannte Zahl von Kosovo-Albanernern vertrieben. Seit den ersten Bombardierungen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 782.300 Menschen geflüchtet, etwa 444.000 nach Albanien, 247.000 nach Mazedonien und ca. 69.600 nach Montenegro. Einige zehntausend wurden ausgeflogen, von ihnen rund 13.650 nach Deutschland. Flüchtlinge berichteten immer wieder von Greueltaten wie Mord, Vergewaltigungen und Folterungen.

Tote und Verletzte:

Nach NATO-Angaben wurden 4.000 jugoslawische Soldaten und Sonderpolizisten getötet, rund 6.000 verletzt, zu zivilen Opfern gab es keine Angaben. Jugoslawische Behörden sprachen von rund 1.500 Toten und 5.000 Verletzten. Die Kfor-Soldaten fanden jedoch immer wieder neue Massengräber, wodurch sich die Zahl der zivilen Opfer noch ständig erhöhte. Für Zivilisten besteht aber noch immer höchste Lebensgefahr, denn im Kosovo gibt es ca. 616, von etwa 14 000 Sprengsätzen von Steuerbomben (Cluster-Bomben), verseuchte Gebiete. Diese Minen gefährden die zurückkehrenden Flüchtlinge, auf ihren Äckern arbeitende Bauern und sorglos spielende Kinder. Allein bis Mitte Oktober 1999 verstümmelten diese Minen 239 Menschen und kosteten gar 40 Menschen das Leben. Dieser Krieg forderte aber auch auf internatinaler Ebene Tote, so drei Chinesen, die bei der "irrtümlichen" Bombardierung ihrer Botschaft von der NATO ums Leben getötet wurden. Es verunglückten auch zwei amerikanische Piloten und ein deutscher Soldat tödlich.

Kosten:

Die NATO hat rund 1.000 Flugzeuge eingesetzt und 36.000 Angriffe geflogen. Schätzungen der Münchener Universität der Bundeswehr zufolge kostete ein Tag zwischen 110 und 130 Millionen Mark, die Gesamtkosten werden auf 43 Milliarden Mark geschätzt. Die Kosten für die Bundeswehr belaufen sich bisher auf 400 Millionen Mark, der Einsatz deutscher Soldaten innerhalb der Friedenstruppe dürfte jährlich eine Milliarde Mark erfordern.


Quellen

Haller Tagblatt vom 1999-03-17 bis 06-10

Während des Kosovo-Krieges wurden auch folgende Internet-Adressen ausgewertet:

Die hier angegebenen Internet-Adressen vermittelten Informationen meist in englischer Sprache -, natürlich aus ihrer persönlichen Sicht.

Aktuelles in deutscher Sprache: www.t-online.de , www.focus.de ,www.tagesschau.de

Kosova Crisis Center: www.alb-net.com (Englisch)

Weitere Links über das Kosova Crisis Center: www.alb-net.com/misc-pages/links.htm

Kosova Information Center: www.kosova.com (Englisch, bei Überprüfung nicht verfügbar)

Albanian Information Server: www.albanian.com (bei Überprüfung nicht verfügbar)

Koha Ditore, albanische Tageszeitung (nur albanisch): www.kohaditore.com
englische Auszüge: www.kohaditore.com/arta/ (bei Überprüfung nicht verfügbar)



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Stand: 2004-04-12
Aktueller Bearbeiter: Jürgen Gierich
Frühere Bearbeiter: Gracia Gawelczyk,  Carolin Offenhäuser, Jürgen Gierich  (1998/99)
, Carola Mack, Julia Schneider (2002)
Datei: kosovo/kosov-d2.htm