Autonomiestreben der Tuareg in Mali

Zwischen dem Tuareg und der malinesischen Staatsregierung gab es immer wieder Konflikte. Vermittlungsversuche des Europaparlamentes scheiterten.
Im Januar 2013 eskalierten Konflikte mit islamistischen Rebellen, die den Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht hatten, so dass sich Frankreich zu einer militärischen Intervention entschloss.

Beginn - Ursachen - Konfliktparteien - Verlauf - Folgen - Lösungsansätze - Quellen

Beginn:

Erste Aufstände in Mali im Juni 1990


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Ursachen:

Die Dürrekatastrophen der Jahre 1973/74 und 1984/85 trafen die Tuareg besonders schwer. Sie wanderten deshalb nach Algerien, Libyen und nach Süden ab. Ende der achtziger Jahre verbreiteten die Regierungen von Niger und Mali die Ankündigung großzügiger Hilfsprogramme für die Tuareg, die durch Gelder der UNO in Gang gesetzt würden. Aufgrund dieses angekündigten Hilfsprogrammes kehrten viele Tuareg wieder in ihre Heimatländer zurück. Das Programm kam allerdings nicht zustande. Aus Enttäuschung darüber fand im Mai 1990 ein Überfall der Nomaden auf eine Unterpräfektur in Niger statt.


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Konfliktparteien und ihre Ziele:

Tuareg:

Die Tuareg fordern autonome Gebiete im Norden Malis, der für sie eine angestammte Heimat und somit Stammesgebiet ist. Sie erhofften sich Unterstützung von Islamisten, die jedoch ihre eigenen Ziele verfolgten.

Malinesische Staatsregierung:

Verweigert den Tuareg den autonomen Status und versucht gleichzeitig, sie sesshaft zu machen.


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Verlauf:

7. Juni 1990 Überfall der Nomaden auf den Grenzposten Tschin-Tabaradene in Niger
Ende Juni 1990 Tuareg-Angriff auf die Polizeistation von Ménaka
Juli 1990 Weitere Zusammenstöße zwischen Armee und Tuareg in der Umgebung von Ménaka
10. Juli 1990 Verhängung des Ausnahmezustandes über den Norden
September 1990 Sahara-Gipfel: Die Staatschefs von Niger, Algerien, Libyen und Mali vereinbarten verstärkte Grenzkontrollen, um so den Aktionsradius der Tuareg einzuschränken.
6. Januar 1991 Friedensabkommen der malinesischen Regierung mit den Tuareg in der algerischen Stadt Tammanrasset
26. März 1991 Sturz des Staatspräsidenten Moussa Traoré und damit Sturz des Militärregimes
31. März 1991 Abgabe der Macht an einen Übergangsausschuss
April 1991 Oumar Konaré wird neuer Staatspräsident.
April 1992 Friedenspakt der Tuareg mit der neuen Regierung
April 1993 Innerpolitische Spannungen und Studentenunruhen infolge massiver Kürzungen der Sozialleistungen
8. Dezember 1993 Umsturzversuch
2. Februar 1994 Rücktritt des Regierungschefs
4. Februar 1994 Keta wird neuer Ministerpräsident
Mai 1994 Auflösung der Tuareg-Stützpunkte
Mitte 1994 Erneute Auseinandersetzungen, da die Tuareg die vereinbarte Wirtschaftshilfe nicht erhalten hatten.
Dezember 1994 Vermittlungsversuche des Europaparlamentes scheiterten.
  Tuaregs verbündeten sich mit militanten Islamisten. Doch deren Kampf verselbständigte sich, denn ihnen ging es nicht um Freiheit für die Tuaregs, sondern um die Errichtung eines Gottesstaates.
Januar 2013 Der Interimspräsident Dioncounda Traoré bat Frankreich und den UN-Generalsekretär um Unterstützung im Kampf gegen die islamistischen Rebellen. Der französische Staatspräsident Hollande sicherte militärische Hilfe zu. In der "Operation Serval" (ab 11. Januar 2013) wurden aus nahegelegenen Militärstützpunkten im Tschad Soldaten nach Mali entsandt; Kampfflugzeuge flogen Einsätze auf die nach Süden vorrückenden Rebellen. Der Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako wurde so gestoppt.
Timbuktu wurde befreit; am 28. Janura verließen Islamisten und Tuareg die Stadt.

Unterstützung wurde signalisiert von Großbritannien, den USA und Deutschland.

Ein islamistisches Kommando hat am 16. Januar einen Standort des britischen Ölkonzerns BP im Osten Algeriens überfallen und Geiseln genommen, darunter 41 Ausländer aus Frankreich, Großbritannien, USA und Japan. Die Geiselnahme wurde vom algerischen Militär am 19. Januar blutig beendet. Es sollen 29 Terroristen getötet worden sein; 37 ausländische Geiseln fielen dem Geiseldrama zum Opfer; es gab außerdem mindestens 56 Verletzte. Während der viertägigen Geiselnahme konnten 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter flüchten.

Bei den Islamisten handelte es sich um eine multinationale Terroreinheit der Al-Kaida mit 32 Mitgliedern aus Algerien, Libyen, Tunesien, Syrien, Ägypten, Mali, Jemen, den Niederlanden und den USA.


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Folgen und Auswirkungen:

Der Konflikt wirkt sich national und regional aus.

Im Jahr 2015 gilt der Norden Malis als staatsfreier Raum; bewaffnete Milizen kontrollieren das Land, treiben an illegalen Schlagbäumen Geld ein und schikanieren die Bevölkerung.

Am 1. Juli 2013 übernahm eine UN-Blauhelmtruppe die Aufgabe von der französischen Armee, den Norden Malis zu stabilisieren, was ihr aber nicht gelingt. Etwa 5500 Mann sind vor Ort; seit Beginn der Muission wurden etwa 30 UN-Angehörige getötet.


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Lösungsansätze:

6. Januar 1991: Friedensabkommen in Tammanrasset

April 1992: Unterzeichnung eines "Nationalen Friedenspaktes" der Tuareg mit der neuen Regierung

April 1994: Bildung von zwei Kommissionen, die für die Rückführung der Flüchtlinge verantwortlich sind

Heute sind die Tuareg malinesische Staatsbürger, die von der Regierung eine gewisse Selbstverwaltung erhielten. Die allmähliche Rückführung der Flüchtlinge wird mit Hilfe von Vertretern der UN-Flüchtlingsorganisation vorangetrieben.

Ausländische Soldaten - darunter 150 deutsche - bilden die malinesische Armee aus. Insgesamt sollten bis 2015 3.000 Soldaten ausgebildet worden sein, aber deren Ausstattung ist so schlecht, dass sie nichts gegen die Milizenausrichten können.


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Quellen:

Hofmeier/ Schönborn: Politisches Lexikon Afrika. München 1988
Harenberg: Lexikon der Gegenwart Aktuell `92 und `97. Dortmund
Fischer: Weltalmanach `94,`95 und `96.
Westermann: Schulatlas. Braunschweig 1970
Landeszentrale für politische Bildung: Der Bürger im Staat - Afrika im Abseits. Heft 3 / 4 1996
Bundeszentrale für politische Bildung: Informationen zur politischen Bildung Nr. 252, 3. Quartal 1996
Katholische Mission KM: 6. Ausgabe 1996

Haller Tagblatt: 2013-01-12, -14, -15, -16, -18, -19, -21, -22, 2015-01-10

Bericht im Auslandsjournal des ZDF vom 23. 01.2013 (ZDF-Mediathek)



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Stand: 2015-02-19
Aktueller Bearbeiter: J. Gierich
Urautorin: Regina Bauer
Frühere Bearbeiter: Sonja Aller (2003), Silke Schmidt (1997)
Grafik: "Unsere Erde" von Rudas & Karig (Verlag Markt & Technik)
Datei: mali/mali.htm