Guerillakämpfe in Kolumbien

Der Guerillakrieg begann 1964 und endete 2016 mit einem Friedensabkommen.
Ganz sicher ist man sich aber nicht, dass der Frieden hält.

Beginn - Ursachen - Konfliktparteien - Verlauf - Folgen - Lösungsansätze - Quellen

Beginn und Ende:

Der Konflikt begann 1964. Friedensvertrag Ende 2016.


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Ursachen:

 


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Konfliktparteien und ihre Ziele:

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Verlauf:

1964 Beginn des Konfliks. Sechs Guerilla-Armeen wagten es, gegen die Regierung zu kämpfen.
1990 Cesar Gaviria Trujillo wird Staatspräsident und die ELP, M-19, RPT und Quintin Lame geben ihre Waffen ab, wobei die Waffenstillstandsverhandlungen mit ELN und FARC scheitern. Es vereinigten sich drei linke Guerillabewegungen zum Revolutionären Volksheer (ERP).
1992 Neues Aufflammen der Kämpfe zw. Regierungstruppen und zwei linksgerichteten Guerilla-Verbänden.
1994 Ernesto Samper Pizano wird Staatspräsident.
1996 ELN und FARC griffen in 26 verschiedenen Orten des Landes Polizeistationen und Armeestützpunkte an und töten 100 Regierungssoldaten. Über 60.000 Kokabauern protestierten gegen die von der Regierung angeordnete Zerstörung der Kokaplantagen. Dies löste die schwersten Rebellenangriffe seit 30 Jahren aus.
1997 Am 27. Oktober wurden die Kommunalwahlen in Kolumbien von einer beispiellosen Terrorwelle begleitet. Nach dem Scheitern der Friedensinitiative von Präsident Ernesto Samper leiteten die Streitkräfte eine großangelegte Offensive gegen linksgerichtete Rebellen und rechte paramilitärische Gruppen ein. Etwa 15.000 Rebellen in mehreren unterschiedlichen Guerillaorgenisationen beherrschten fas 40 Prozent des Landes. Bei Überfällen auf Militärkonvois sterben 30 Soldaten und Polizisten. Mehr als 100 Wahlhelfer und 38 Kandidaten wurden bei Anschlägen getötet.
1998 Das kolumbianische Militär bestätigte, daß der Anführer der Rebellenorganisation ELN, Manuel Perez,am 14. Februar in seinem Versteck im Dschungel an Hepatitis gestorben ist. Perez, vermutlich 1936 geboren, begann als Prediger in der Hafenstadt Cartagena. 1968 griff er zur Waffe und wurde Führer der ELN.

Über Ostern brachen in Kolumbien schwere Kämpfe zwischen der kommunistischen Guerilla und der Armee aus. Dabei sind nach offiziellen Angaben aus Bogoda mindestens 22 Menschen getötet worden.

Bei einer dreitägigen Offensive der Rebellen (ELN und FARC) im August 1998 - drei Tage vor Amtantritt des neuen Präsidenten Andres Pastrana - wurden in zehn der 32 kolumbianischen Provinzen Bomben gelegt und Polizisten beschossen. Dabei wurden 125 Todesopfer gezählt.

Seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Pastrana am 1. August starben bei Überfällen, Bombenanschlägen und Gefechten zwischen Aufständischen und Regierungssoldaten schon mehr als 400 Menschen. Im Vorfeld hatte der Präsident den Rebellen Friedensgespräche angeboten.

1999 Zwischen der kommunistischen Guerilla und Armee-Einheiten haben im Juni schwere Kämpfe stattgefunden. Neben den Revolutionären Streitkräften (Farc) sind auch das kommunistische Nationale Befreiungsheer (ELN) und außerdem rechtsextreme Milizen in die Kämpfe verwickelt. Dabei starben mindestens 70 Menschen.
Bei einer Riesendemonstration in mehr als 1.000 Orten Kolumbiens im Oktober forderten über zehn Millionen Einheimische Frieden. Seit 40 Jahren gibt es blutige Kämpfe zwischen rechtsextremen Schwadronen, linken Guerilleros und Streitkräften. Hunderttausende verloren ihr Leben.
2000 Im Februar sind bei Kämpfen zwischen linken Rebellen und ultrarechten Todesschwadronen mindestens 35 Zivilisten getötet worden. Die teilweise von reichen Landbesitzern bezahlten Todesschwadrone kämpfen mit den Rebellen um die Vorherrschaft in den ländlichen Regionen. Beide Seiten gehen dabei häufig gegen die Zivilbevölkerung vor.
2001 Im Januar drohte eine weitere Eskalation des Bürgerkriegs zwischen der Regierung und der kommunistischen Guerilla. Präsident Andrés Pastrana erklärte den Friedensprozess mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) für beendet und forderte diese auf, die ihnen überlassene Zone im Süden des Landes binnen 48 Stunden zu räumen. Pastrana hatte den FARC Ende 1998 in der Region Caguán im Süden des Landes ein entmilitarisiertes Gebiet von der Größe der Schweiz überlassen. Doch trotzdem kamen Friedensverhandlungen nie in Gang.

Im August haben sich die Spannungen in Kolumbien wieder verschärft. Nach dem Zusammenbruch der Friedensgespräche zwischen linken Rebellengruppen und der Regierung kam es wieder zu Anschlägen. Dabei wurden mindestens 19 Menschen getötet und 51 verletzt. Die Rebellen hatten zunächst die Stadt San Francisco im Norden des Landes angegriffen. Dabei wurden drei Kinder getötet. Bei Bombenanschlägen auf eine Polizeistation wurden zudem 35 Menschen verletzt und 40 benachbarte Wohnhäuser beschädigt. Sieben Soldaten und ein Zivilist starben, als Revolutionäre ein Militärfahrzeug überfielen. Bei Gefechten mit den Streitkräften kamen sechs Rebellen ums Leben. Die Regierung wirft den Rebellen vor, an einer Aussöhnung der verfeindeten Lager nicht interessiert zu sein.

Bei den schweren Kämpfen im September in Kolumbien zwischen Regierungstruppen und den "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" (FARC) hat es in den letzten Tagen 47 Tote, davon 31 Rebellen, gegeben. In weiteren Landesteilen kam es ebenfalls zu Kämpfen mit mehreren Toten. Die geplante Wiederaufnahme der Friedensgespräche lässt derweil weiter auf sich warten.

2002 Im Februar sind kolumbianische Truppen in die frühere Rebellenzone im Süden des Landes einmarschiert und bis zu der bisherigen Rebellenhauptstadt San Vicente de Caguán vorgestoßen. Vorauskommandos seien zunächst in eine große Kaserne in der Stadt eingerückt, sagte ein Armeesprecher. Dem Einsatz des Heeres waren heftige Luftangriffe vorgegangen.

Im März einigten sich die zweitgrößte Guerilla-Organisation in Kolumbien "Nationales Befreiungsheer"(ELN) und die kolumbianische Regierung in Friedensgesprächen in der kubanischen Hauptstadt Havanna auf einen Waffenstillstand unter internationaler Beobachtung. Die ELN hat rund 4.500 Kämpfer unter Waffen. In dem seit 1964 andauernden Bürgerkrieg kamen bisher mehr als 200.00 Menschen ums Leben.

Im April überfiel ein Guerilla-Kommando in Kolumbien in der Stadt Cali das Provinzparlament und verschleppte zwölf Abgeordnete. FARS-Rebellen, die einen sozialistischen Staat forderten, hatten derzeit 800 Menschen in ihrer Gewalt, darunter auch fünf nationale Abgeordnete und die Präsidentschaftskandidatin Ingrid Batancourt.

Im Mai wurden bei einem mörderischen Angriff marxistischer FARC-Rebellen in Kolumbien 60 Zivilisten getötet und 93 Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Rebellen hatten eine mit Sprengstoff gefüllte Gasflasche auf den Ort Bojaya abgeschossen. Der heimtückische Anschlag erfolgte, als sich eine große Menschenmenge von der Kirche auf dem Marktplatz versammlet hatte.

2003 Im Januar verschärfte die Regierung nach einer Serie von Anschlägen den Kampf gegen die linken Rebellen. Die "Marxistischen Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" hatten bei Anschlägen im Land mindestens 30 Menschen getötet So starben bei einem Überfall auf einen Polizei-Konvoi sechs Polizisten.

Im Februar wurde ein exklusives Vergnügungszentrum in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá von einem Bombenanschlag zerstört. Bei der Tat, die der linksgerichteten Terrrororganisation FARC zugeschrieben wird, starben mindestens 33 Menschen, rund 200 wurden verletzt.
Diese Rebellengruppe ist mit 17.000 Männern, Frauen und Kindern unter Waffen die größte des Landes. Seit fast 40 Jahren bekämpft sie den Staat.
In Bogotá hatte es seit 1993 keine Anschläge mehr gegeben.

Im April ging das Morden auch an Ostern weiter. Marxistische FARC-Rebellen erschießen bei einer Prozession drei Mensch. Bei Gefechten zwischen der FARC und Regierungssoldaten gibt es 20 Tote.

2002 bis 2012

Unter dem harten militärischen Kurs des Präsidenten Alvaro Uribe (Regentschaft 2001 bis 2010) wurde die Farc auf rund 9000 Mann reduziert und in dünn besiedelte Waldgebiete zurückgedrängt. Sein Nachfolger, Juan Manuel Santos (seit 2010), verfolgte mit militärischen Mitteln das gleiche Ziel wie sein Vorgänger, jedoch signalisierte er Gesprächsbereitschaft.

2012

Sechs Monate lang führen Rebellen und Regierungsbeauftragte geheime Gespräche in Havanna (Kuba).

Eine dort getroffene Vereinbarung nennt fünf Punkte, um die es in den beabsichtigten Friedensverhandlungen gehen soll:

  • Niederlegung der Waffen durch die Rebellen,
  • Vergabe von Land an die Rebellen,
  • Teilnahme am politischen Leben durch die Rebellen,
  • Bekämpfung des Drogenhandels,
  • Recht der Opfer auf Wiedergutmachung.

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Folgen:

Es wurden Attentate auf Gas- und Ölleitungen, staatliche Einrichtungen und Politiker verübt. Menschen sind verschwunden, und der sozialistische Block kollabierte. Die Lebenssituation des Volkes besserte sich nicht. Die Kämpfe zwischen Rebellen und Todesschwadronen kosten jedes Jahr Tausenden das Leben. Im Jahr 1997 starben ca. 6.000 Menschen.

Durch die Angriffe der Terrororganisationen flüchteten über die Jahrzehnte Millionen von Menschen aus der verwüsteten Provinz in die Slums der Großstädte. Und wer es sich leisten kann, legt selbst kurze Distanzen nur noch im Flugzeug zurück - zu unsicher ist der Weg über Land.

Der konservative Álvaro Uribe wurde 2001 zum Präsidenten gewählt. Er war mit dem Versprechen angetreten, die bewaffneten Gruppen zu bekämpfen, bis sie zu einem Waffenstillstand und ernsthaften Verhandlungen bereit seien.
Durch ihn wurde das Militärbudget kräftig erhöht, hunderttausende Zivilisten sollen als Späher für das Militär zum Einsatz kommen und zehntausende junger Männer für die Streitkräfte rekrutiert werden. In den ersten Appellen nach einem Anschlag wurde das Volk aufgerufen, sich hinter dem Präsidenten zu scharen.

In den 50 Jahren Krieg kamen etwa 340.000 Menschen ums Leben, mindestens sieben Millionen wurden aus ihren Dörfern vertrieben (Haller Tagblatt, 25.11.2016).

Die Eingliederung der ehemaligen Kämpfer kommt nur langsam voraus. Neue Kampfhandlungen mit abtrünnigen Farc-Gruppen nehmen wieder zu.


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Lösungsansätze:

Die ELN und - als Vertreter der Zivilgesellschaft - das "Nationale Friedenskomitee" haben im Juli 1998 in Deutschland Friedensgespräche geführt. Zum Abschluss wurde ein gemeinsames Dokument unterzeichnet, das Hoffnung auf ein Ende der Auseinandersetzungen machte, aber nicht zum gewünschten Ergebnis führte.

Erst im September 2012 bekundeten die Konfliktparteien, Friedensgespräche aufnehmen zu wollen. Sie sollen Anfang Oktober 2012 in Oslo unter der Schirmherrschaft Norwegens und Kubas beginnen.

Ende des Konfliktes:

Am 27. September 2016 vereinbarten die kolumbianische Regierung unter Juan Manuel Santos, der auch Friedensnobelpreisträger 2016 war,  und die Farc-Guerilla ein Abkommen, das aber in einer Volksabstimmung im Oktober abgelehnt wurde. Im November wurde zwischen Santos und dem Kommandeur der Farc, Rodrigo "Timochenko" Londono, nachverhandelt. Die rechtskonservative Opposition um den Ex-Präsidenten Alvaro Uribe übte sich weiterhin in Boykott.

Im März 2018 gab es Parlamentswahlen. Die Farc-Partei holte nicht einmal 0,5 Prozent der Stimmen; gewonnen haben die konservativen Parteien, allen voran die rechtskonservative Centro Democrático von Alvaro Uribe.

Am 7. August 2018 trat der neue Präsident Iván Duque sein Amt an. Von ihm wird angenommen, dass er den Friedensprozess nicht so unterstützen wird wie sein Vorgänger Juan Manuel Santos.


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Quellen:

IAP 11/97, 10/96, 98-08-18, 4/02, 5/02, 6/02, 03-01-20, 03-04-20

GEO Das neue Bild der Erde 1/93

Haller Tagblatt 98-04-08, 98-04-14, 98-07-16, 98-08-07, 99-06-25, 99-10-26, 00-02-22, 01-01-11, 01-08-11, 01-09-01, 02-02-23, 03-02-10, 2012-09-06, 2016-10-08, 2016-11-14, 2016-11-25

Unterzeichnung des Abkommens am 27. September 2016 (ZEIT online)

Neues Friedensabkommen am 13. November 2016 (ZEIT online)

Haller Tagblatt 2017-02-09, 2018-03-13, 2018-06-19


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Stand: 2019-04-22/19-09-19
Letzter Bearbeiter: J. Gierich
Bisherige Bearbeiter: Sandra Schnaidt, Steffi Gröner, JG, Simone Mönnig / Carmen Gentner (1999), Sascha Miljkovic (2000), Erika Westdickenberg (2000), Torben Freisinger u. Alexander Steindl (2002),
Sonja Aller (2003)
Urautorin: Christine Stier
Grafik: "Unsere Erde" von Rudas & Karig (Verlag Markt & Technik)
Datei: kolumb/kolumb.htm