Konflikt zwischen Libanon und Israel

Der Konflikt zwischen Libanon und Israel ist als Teilkonflikt im Nahen Osten zu verstehen. Diese Sonderseite zeichnet zuerst die vergangenen Konflikte zwischen den beiden Staaten nach und dokumentiert den im Juli 2006 neu entbrannten Krieg.

Zum aktuellen Krieg

Zum Nahost-Konflikt

Historie - Konfliktparteien - Verlauf - Lösungsansätze - Quellen

Historie:

Israelische Truppen sind bisher zweimal im Libanon einmarschiert, 1978 und zuletzt 1982 um gegen islamistische Untergrundkämpfer vorzugehen. 1985 zogen sich die Israelis aus dem nördlichen Nachbarland zurück. Darauf wurde im Südlibanon 1985 nach dem Ende des israelischen Libanon-Feldzuges von Israel eine Sicherheitszone als Pufferzone (1.100 Quadratkilometer groß) eingerichtet . Ihr Zweck war es, Kommandounternehmen und Raketen-Angriffe vor allem der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz auf den Norden Israels schon vor der Grenze abzufangen. Kontrolliert wurde der bis zu 25 Kilometer breite Streifen von rund 2.500 Milizionären der mehrheitlich christlichen, pro-israelischen "Südlibanesischen Armee" (SLA) und etwa 1.500 israelischen Soldaten. Frieden hat in der Sicherheitszone, in der rund 70 Dörfer liegen, nie geherrscht. Wiederholt unternahm Israel militärische Vorstöße.

Immer wieder bekämpften sich Israel und Libanon. Zum Beispiel wurden im Februar 1998 bei einem Angriff der schiitischen Hisbollah-Miliz auf einen israelischen Armeeposten im Südlibanon drei Soldaten getötet und zwei verletzt. Auch Israel feuerte (im März 1993) Raketen auf die Ortschaft Akmata. Auf Grund von Beschießung durch Katjuscha-Raketen der Hisbollah-Guerillas wurden zwei Israelis getötet und 18 verletzt. Deswegen hat Israel im Juni 1999 für wachsende Guerilla-Aktivitäten an seiner Nordgrenze Vergeltung durch Luftangriffe ausgeübt. Dabei wurden wichtige Anlagen der libanesischen Stromversorgung zerstört, elf Libanesen getötet und über 60 verletzt. Durch viele dieser Kämpfe sind die Fronten im Nahost festgefahren. Aber durch den Entschluss, sich notfalls im Alleingang ohne vorhergehenden Frieden mit Damaskus und Beirut aus dem Südlibanon zurückzuziehen, kommt Bewegung in den Konflikt. Die Regierung in Jerusalem wirft damit Ballast ab. Mit dem Rückzug kommt Israel nicht nur seinen arabischen Freunden entgegen - er entspricht auch der UN-Resolution 425. Sie fordert bereits seit 18 Jahren die Räumung Südlibanons. Am 24. Mai 2000 haben die letzten israelischen Soldaten Südlibanon verlassen.

Barak setzte am 6. März 2000 ein wichtiges Wahlversprechen um. Bis Juli 2000 will sich Israel aus dem Südlibanon (= "Sicherheitszone") zurückziehen. Dadurch verliert der syrische Präsident Hafez el Assad sein wichtigstes Argument, dass in der Sicherheitszone die Menschen- und Völkerrechte verletzt werden. Das bringt Syrien in Zugzwang.

Syrien hatte seit 1976 ebenfalls Truppen im Libanon, mit dem Einverständnis der arabischen und internationalen Gemeinschaft wurden sie geschickt, um den Bürgerkrieg zwischen Christen und Muslimen zu beenden. Bereits 1989 sollte das Militär wieder abgezogen werden; dies geschah aber nicht. Seit September 2004 wird dieses Anliegen durch eine UN-Resolution unterstützt. Die letzte von uns ausgewertete Meldung (HT 2005-03-08) besagte, dass im März 2005 die 15.000 Soldaten zunächst an die Grenze verlagert und dann ganz abgezogen werden sollten. 

Die Entführung von zwei israelischen Soldaten im Juli 2006 führte zum Ausbruch eines neuen Krieges zwischen Libanon und Israel.


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Konfliktparteien und ihre Ziele:

1. Partei: Die Hisbollah

Die Hisbollah oder Partei Gottes wurde 1982 nach dem Einmarsch israelischer Truppen in Libanon gegründet. Hinter der schiitischen Organisation steht Iran, das etwa zehn bis 20 Millionen Dollar pro Monat überweist. Hauptziel der Organisation ist es, israelische Truppen aus der seit 1985 besetzten Sicherheitszone im Südlibanon zu vertreiben. Politisches Ziel der Hisbollah ist die Errichtung einer islamischen Republik. Die Hisbollah unterhält neun Schulen, 16 Krankenhäuser, versorgt die Slums in Beirut mit Trinkwasser und baut zerstörte Straßen und Häuser wieder auf. 

Führer der Hisbollah ist Hassan Nasrallah, 1960 als erstes von neun Kindern eines Lebensmittelhändlers in Basurije (Südlibanon) geboren. Schulbildung in einem Internat der Schiitenmiliz Amal. Theologische Studien. Mitwirkung bei der Abspaltung der Hisbollah von den Amal (1982)

Obwohl die Hisbollah international als Terrororganisation eingestuft wird, hat sie im Libanon den Status einer regulären Partei. Im 128-köpfigen Parlament in Beirut saßen 2006 elf Hisbollah-Vertreter; in der Regierung sind die Ministerien für Wasser und Arbeit mit Hisbollah-Vertretern besetzt. 

Wie viel aktive Kämpfer der Hisbollah angehören, ist unsicher. Im Jahre 2002 war von rund 5.000 zu lesen, im Jahr 2006 schätzt man nur "mehrere hundert". Aber in der schiitischen Bevölkerung kann die Organisation auf Tausende Unterstützer und Sympathisanten zählen.

2. Partei: Israel


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Verlauf:

12. Juli 2006 Einmarsch der israelischen Armee in den Südlibanon. Vorausgegangen waren heftige Artilleriegefechte an der Grenze.
13. Juli 2006 Israel  errichtete eine Seeblockade gegenüber dem Libanon.
Weitere Details zu den Kampfhandlungen auf einer separaten Seite
31. Juli 2006 Israel hatte aufgrund die ausländischen Bemühungen um einen Waffenstillstand eine zweitägige Feuerpause angekündigt, jedoch betont, dass es auf Angriffe reagieren werde.
4. August 2006 Die Luftangriffe auf den Libanon wurden ausgeweitet.
14. August 2006 Annahme der UN-Waffenstillstandsresolution.
7. September 2006 Aufhebung der israelischen See- und Luftblockade gegen den Libanon. Die Kontrolle der Wege übernahmen französische, italienische und griechische Marineeinheiten.
Juni 2007 Schwere Kämpfe zwischen Armee und islamischen Extremisten im Süden des Libanon.

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Lösungsansätze:

Wie überall im Nahem Osten ist die Aussicht auf eine Konfliktlösung mehr als bescheiden. Nur durch eine umfassende Lösung für Palästinenser und Israelis lässt sich eine Aussicht auf Ruhe erhoffen. Den aktuellen Krieg versuchen die USA und die G8-Staaten durch Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu beenden. Eine von dem Golfstaat Katar in den UN-Sicherheitsrat eingebrachte Resolution gegen Israel wurde von den USA mit ihrem Veto abgeschmettert.

Die UN-Waffenstillstandsresolution sieht vor, dass 15.000 libanesische Soldaten und 15.000 Blauhelme im Südlibanon stationiert werden. Die Hisbollah soll entwaffnet werden und den Südlibanon verlassen.

Seit Mitte 2007 kontrolliert die deutsche Marine mit zwei Fregatten, einem Einsatzgruppenversorger, zwei Schnellbooten, zwei Minenjagdbooten, einem Tender und einem Flottendienstboot die libanesische Küste und verhindert wirkungsvoll den Waffenschmuggel. Außerdem sind Schiffe aus der Türkei, Griechenland, Dänemark, Norwegen, Schweden und den Niederlanden an der Mission beteiligt.


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Quellen:

Haller Tagblatt (SüdwestPresse): 2005-03-08
2006-07-13, -07-22, -08-01, -05, -07, -10, -14, -15, -09-07, -09-09
2007-06-04, -06-05, -08-23

Dingemann, Rüdiger: Krisenherde der Welt. Konflikte und Kriege seit 1945. (Westermann Lexikon). Braunschweig: Westermann 1996

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Stand: 2008-03-25
Letzter Bearbeiter: Jürgen Gierich
Frühere Bearbeiter: Laura Röhler, Sabrina Wenz (2000)
Urautorin: Katrin Habenstock
Grafik: "Unsere Erde" Rudas & Karig (Verlag Markt & Technik)
Datei: israel/libanon.htm